Vereinsgeschichte

Chronik zur Vereinsgeschichte der Hilderser Fastnacht

Die Hilderser Fastnacht hat eine sehr lange Tradition und ist im kulturellen Leben im Laufe eines Kalenderjahres in Hilders mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Das Vereinsleben und somit auch die Vereinsnamen in der mittlerweile ca. 165 jährigen Geschichte lassen sich in folgende drei Abschnitte gliedern:

1) Die närrische Gesellschaft (ca. 1850 bis 1950)

2) Die Karneval-Gesellschaft Hilders (1950 bis 1982)

3) Die Hilderser Fastnachtsgesellschaft e.V. (seit 1985)

Der Ursprung der Hilderser Fastnacht lässt sich bis in das Jahr 1850 nachvollziehen. Es liegen zwar kaum Unterlagen oder Dokumente vor zu der Zeit vor dem 2. Weltkrieg oder zu der Zeit vor 1900; allerdings kann man in einem Brief vom 13.11.1950 der Karneval-Gesellschaft Hilders an die Fuldaer Volkszeitung (man bat um ungekürzte Veröffentlichung eines Artikels in der nächsten Ausgabe) folgendes nachlesen:

“Seit Urgroßväters Zeiten feiert man in Hilders Fastnacht. Zur Eröffnung der diesjährigen Saison fanden sich am 11.11. zur elften Stunde abends wieder die Freunde dieses alten Volksbrauches zusammen.

Seit dem vorigen Jahre hat sich entgegen früherer Gepflogenheiten die närrische Gesellschaft in einem Verein zusammengeschlossen. Dass Alt und Jung im Sinne ihrer Väter für die Sache begeistert ist, bewies das vollbesetzte Haus, das der Präsident der Gesellschaft begrüßen konnte. Ein alter Karnevalist eröffnete den Reigen der Darbietungen mit einem Fastnachtsprolog. Der Präsident mit seinen Mitarbeitern gab Pläne für die diesjährige Fastnacht bekannt, die unter dem Motto „100 Jahre Hilderser Fastnacht“ stehen soll.

Unsere Fastnacht nimmt für sich nicht in Anspruch, eine Nachahmung großstädtischer Karnevalsveranstaltungen zu sein, sondern ein Volksfest, bei dem Alt und Jung die Sorgen des Alltags für einige Zeit vergisst.

In diesem Jahr hofft man, unter Mitwirkung aller Vereine und Kreise den Fastnachtszug am Altweiberdienstag in einem noch größeren Rahmen, wie dies bisher der Fall war, durchzuführen. Auch auswärtige Orte der Hohen Rhön haben durch ihre Vertreter ihre Mitwirkung zugesagt; und so hoffen wir, dass Fastnacht 1951 eine echte Rhöner Fastnacht wird.“ 

Anhand dieses Briefes aus dem Jahre 1950 kann man also davon ausgehen, dass die Fastnacht in Hilders damals schon sehr lange existierte und ein fester Bestandteil war.

Zu Beginn der Hilderser Fastnacht gab es also zunächst die „Närrische Gesellschaft“, die sich dann nach ca. 100 Jahren in einem Verein zusammenschloss. Am 11. März des Jahres 1950 fand die 1. Hauptversammlung mit Gründung der Karneval-Gesellschaft Hilders statt.

Insgesamt 63 anwesende Mitglieder legten in der ersten Satzung die Ziele und Aufgaben des Vereins nieder. 1. Vorsitzender war Willi Keerl, 2. Vorsitzender u. Sitzungspräsident war Karl Wehner, Schriftführer war Franz Winheim. Sowohl das Versammlungsprotokoll als auch die Satzung liegen heute noch im Original vor. Die Aufgaben stellten sich gemäß der neuen Satzung wie folgt dar:
 

1.) Die Karneval-Gesellschaft umfasst alle karnevalistisch gesinnten Bürger von Hilders.
2.)
Es ist die Aufgabe, das alte Brauchtum einer echten Rhöner Fastnacht,
     insbesondere die Tradition der Hilderser Fastnacht, zu pflegen.
3.) Durch Zusammenschluss aller am Fastnachtstreiben interessierten Kreise, Vereine  
     und Einzelpersonen sind die Mittel für eine großzügige Durchführung aufzubringen.

Die in 1950 gegründete Karneval-Gesellschaft Hilders (kurz: KGH) war allerdings kein eingetragener Verein; dennoch gab es eine ordentliche Geschäftsordnung, die in der Satzung ausführlich beschrieben und festgelegt war.

Die Hauptversammlungen mit Neuwahlen fanden jährlich statt, der Vorstand der KGH wurde immer nur für ein Jahr gewählt (heutzutage wird auf zwei Jahre gewählt). Gemäß den vorhandenen Unterlagen und Protokollen aus der damaligen Zeit fanden diese Hauptversammlungen mit Neuwahlen bis zum Jahre 1969 immer am 11. November, also zu Beginn einer Kampagne statt; danach dann immer einige Wochen nach Aschermittwoch, so wie es die Satzung eigentlich auch vorschrieb.

In der Zeit der Karneval-Gesellschaft Hilders von 1950 bis 1982  konnte bis auf eine einzige Ausnahme im Jahre 1964 durchgehend jedes Jahr ein neuer Vorstand für die KGH gefunden werden, es wurde demnach auch nahezu jedes Jahr Fastnacht gefeiert in Hilders.

Hilders war in dieser Zeit eine absolute Fastnachtshochburg im Fuldaer Land, sämtliche Veranstaltungen waren immer sehr gut besucht. Zudem reichte der Bekanntheitsgrad der Hilderser Fastnacht weit über die Grenzen der Rhön hinaus und die KGH erhielt immer wieder Einladungen von anderen, großen, bekannten Karnevalsvereinen. So zum Beispiel auch im November 1967 eine Einladung von der Fuldaer Karneval-Gesellschaft; diese wollte unbedingt, dass Hilders in Fulda beim Rosenmontagsumzug mitwirke. Der damalige 1. Vorsitzende Otto Wehner erteilte Fulda eine klare Absage – Zitat: „In Fulda ist doch sicherlich bekannt, dass gerade auf dem karnevalistischen Gebiet in Hilders schon einiges geboten wird, … daher ist eine Mitwirkung in Fulda gar nicht möglich“.

Zu der damaligen Zeit wurde in der Fuldaer Volkszeitung allein von der Hilderser Fastnacht immer über 2-3 Seiten berichtet!

Doch nicht nur im Kreis Fulda war die Hilderser Fastnacht bekannt; mündlichen Überlieferungen zufolge gab es etwa in den 50/60er Jahren sogar einmal eine Radioübertragung aus Hilders am Rosenmontag:

Auf einem Radiosender wurde berichtet von den Rosenmontagsumzügen in Köln, Düsseldorf und Hilders in der Rhön! Zunächst wurden die Ereignisse rund um das Tagrewell am Rosenmontagmorgen um 05:00 Uhr beschrieben; später dann kam der Hilderser RoMo-Umzug live im Radio.

Ein weiteres Highlight und fester Bestandteil der Hilderser Fastnacht in den 50er und 60er Jahren war die Aufteilung in Oberdorf und Unterdorf, genannt „Hildonesien“ und „Ulsteranien“. Dies ist u.a. nachzulesen im Protokoll der Hauptversammlung des Jahres 1955; denn für diese beiden „Ortsteile“ wurden bei den Hauptversammlungen sogar jeweils Vertreter gewählt.

Hildonesien war das Oberdorf, ein großes Banner wurde über die Straße gespannt vom „Hotel Engel“ hinüber zum heutigen Überlandwerk; unten von der Marktstrasse kommend konnte man hierauf in großer Schrift „Hildonesien“ lesen.

Ulsteranien war das Unterdorf, das entsprechende Banner wurde vom „Hotel Deutsches Haus“ zum heute gegenüberliegenden Geschäftsgebäude gespannt; oben von der Marktstrasse kommend stand hierauf in großen Buchstaben „Ulsteranien“

Jeder Ortsteil wollte bei allen Fastnachtsaktivitäten immer besser sein als der andere; vor allem am Rosenmontag wollte man die anderen mit einem tollen Motivwagen übertrumpfen; so entstanden damals etliche sehr prachtvolle Motivwagen in Hilders.

In den 60er und 70er Jahren gab es einen Höhepunkt im Laufe der Kampagne, der gar nicht von der KGH selbst ausgerichtet wurde: Der Sportlermaskenball des TSV Hilders.

Dieser fand im früheren Ballsaal Sonnengarten statt – heute besser bekannt als „Schimmi-Saal“ - und war im ganzen Umkreis bekannt. Man musste gegen 19:00 Uhr oder spätestens 19:30 Uhr dort sein, um sich die letzten Plätze ergattern zu können; um 20:00 Uhr war der Saal gefüllt und komplett ausverkauft; heutzutage kaum vorstellbar, dass schon zu dieser Uhrzeit 400-500 zahlende Gäste anwesend sind.

So gibt es sicherlich noch sehr viele schöne, tolle und spannende Geschichten rund um die Fastnacht in Hilders in der Zeit zwischen 1950 und 1982.

„Die Hilderser Fastnacht ist ein Fest, bei dem Alt und Jung die Sorgen des Alltags für einige Zeit vergisst!“ Auch dies stand geschrieben in dem anfangs erwähnten Brief von 1950 an die Fuldaer Volkszeitung.

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg – genauer gesagt seit 1948 – bis hin zum Jahre 1982 gab es in Hilders insgesamt 34 Prinzen und 14 Prinzessinnen !

Einen entscheidenden und großen Einschnitt gab es dann allerdings im Jahre 1982, denn bei der Hauptversammlung der KGH konnte kein neuer Vorstand gefunden werden und die Karneval-Gesellschaft Hilders wurde aufgelöst. Die Kampagnen 1982/1983 und 1983/1984 mussten ausfallen.

Doch weil die Hilderser Fastnacht eine so lange und tolle Tradition im Ort, in der Rhön und in der Region Fulda hatte, dauerte diese karnevalistische Pause nur zwei Jahre.

1984 wurde auf Drängen einiger Karnevalisten die Fastnacht wieder ins Leben gerufen; die Kampagne 1984/1985 fand wieder statt, angeführt von Prinz Gerhard I. von der blauen Kugel.

In der Mitgliederversammlung nach dieser Kampagne beschloss man eine Neugründung des Vereins, dieses Mal als eingetragenen Verein und unter einem neuen Namen: „Hilderser Fastnachtsgesellschaft e.V.“

Diese Jahreshauptversammlung fand statt am Freitag, den 29.03.1985 und es war die Gründungsversammlung der Hilderser Fastnachtsgesellschaft e.V. – kurz HFG.

Die Hilderser Fastnacht hatte also nun wieder Fahrt aufgenommen und der neu gegründete Verein  erfreute sich im Laufe der Zeit immer größerer Beliebtheit. Im Jahre der Neugründung (1985) bezifferte man die Anzahl der Mitglieder auf 51 Personen, welche weiter anstieg. So waren es beispielsweise im April 1989 bereits 123 Mitglieder, im März 2002 schon 238 Mitglieder und im Dezember 2010 konnten 308 Mitglieder im Verein verzeichnet werden. Im Januar 2014 lag die Anzahl bei knapp 350 HFG-Mitgliedern.

Die steigende Zahl der Mitglieder spiegelte sich ebenfalls in den einzelnen Veranstaltungen wider; so war dies unter anderem an den Besucherzahlen des Kostümballs am Fastnachtssamstag zu erkennen. Von anfänglich ca. 50 Besuchern stieg die Besucherzahl auf mittlerweile ca. 450-500 Personen an. In den Anfängen lud man hierzu jährlich in den weit bekannten „Ballsaal Sonnengarten“ ein, in dem seit den       60er Jahren die Fastnachtsveranstaltungen gehalten wurden und welcher mit seiner großflächigen Empore und seinem allgemein reizvollen Flair sein Übriges zum Gelingen der einzelnen Veranstaltungen beitrug. Nach der Kampagne 2000/2001 sollte jedoch damit Schluss sein, denn der Ballsaal Sonnengarten – bis dahin durchgehend von einem Hilderser Gastronom betrieben – schloss seine Pforten, nachdem sich die Gemeinde Hilders für den Neubau eines eigenen Veranstaltungssaales und gegen den Kauf des Sonnengartens entschieden hatte.

Von der Bauphase des neuen gemeindlichen Veranstaltungssaales waren nun die beiden folgenden Kampagnen betroffen und die HFG musste nach Alternativen suchen.

Die Kampagne 2001/2002 fand im Gemeindezentrum Hilders statt, welches jedoch ein stark vermindertes Platzangebot mit sich brachte; kurzerhand wurde deshalb draußen vor dem Gemeindezentrum ein Baucontainer aufgestellt, dessen Nutzung als Sektbar sich als wahrer Glücksgriff entpuppte.

Für die Kampagne 2002/2003 konnte die HFG beim Betreiber des Ballsaales Sonnengarten nochmals gute Überzeugungsarbeit leisten: Der sog. „Schimmi-Saal“ öffnete unerwartet noch einmal seine Türen und es konnte letztmalig in dieser alt ehrwürdigen Narrhalla eine prunkvolle Kampagne gefeiert werden.

Seit der Kampagne 2003/2004 werden nun sämtliche großen Fastnachtsveranstaltungen der HFG im „Ulstersaal“ am Findloser Weg neben der „Brückenwiese“ abgehalten; dieser neue Gemeindesaal ist sicherlich von seiner Funktionalität her dem „Alten Schimmi-Saal“ überlegen; an das Ambiente, die Gemütlichkeit und den Flair der 60/70er Jahre des Sonnengartens kommt er allerdings nicht heran.

In Hilders feiern nicht nur Erwachsene Fastnacht, sondern seit jeher auch schon die kleinen Narren. Die Kinderfastnacht hat ebenfalls schon eine lange Tradition und auf Nachwuchs wird besonderen Wert gelegt. Dies belegt zum einen die schon seit Jahrzehnten am Fastnachtsdienstag stattfindende Kinderfastnacht; diese startet mit dem Kinderfastnachtsumzug durch Hilders – dem einzigen Kinderumzug in Osthessen an diesem Tag – und endet mit buntem Treiben sowie närrischem Programm im Ulstersaal. Zum anderen ist seit der Kampagne 2000/2001 der Kinderprinz bzw. das Kinderprinzenpaar im Hofstaat der HFG nicht mehr wegzudenken. Für diese Ämter können sich Kinder im Alter zwischen 9 und 11 Jahren beim Vorstand der HFG bewerben und zusammen mit den großen Narren des HFG-Hofstaates eine tolle närrische 5. Jahreszeit erleben.

Seit der Kampagne 1999/2000 führt die HFG die Bewirtung der Veranstaltungen in Eigenregie durch, in den Jahren und Jahrzehnten davor lag dies immer in der Hand des privaten Betreibers des Sonnengartens.

Durch die eigene Bewirtschaftung ergaben sich seither für den Verein neue finanzielle Möglichkeiten, was zum Beispiel unter anderem Inventar und Ausstattung des Hofstaates betrifft. Mussten Anfang der 90er Jahre noch 2 Garden (Prinzengarde und Ballett mit je 6 Gardemädchen) mit Kostümen ausgestattet werden, so ist die Anzahl mittlerweile auf ca. 4 - 5 Garden angestiegen und die Gesamtzahl der aktiven Gardemädels im Hofstaat auf etwa 50 (betreut von ca. 10 Gardetrainerinnen).

Weiterhin ist zu erwähnen, dass seit Ende der 90er Jahre viele neue Freundschaften mit anderen Karnevalsvereinen geschlossen wurden. In den Anfangszeiten der HFG gab es lediglich mit 1 – 2 auswärtigen Vereinen eine enge Bindung und gegenseitige Besuche im Laufe einer Kampagne. Mittlerweile bestehen langjährige und enge Verbindungen zu mehreren Vereinen in benachbarten Orten der Rhön sowie zu Fastnachtsgesellschaften in und um Fulda. Dabei tritt die HFG nicht als „Wanderverein“ auf und besucht an einem Abend mehrere Vereine auswärts; der HFG-Hofstaat kommt pünktlich, bleibt lange, ist gesellig und sorgt immer für gute Stimmung.

Das macht diesen Verein so sympathisch und beliebt bei vielen Karnevalisten und Vereinen in der Rhön sowie im Raum Fulda.

Seit dem 2. Weltkrieg bis heute – also von 1948 bis 2014 – gab es nunmehr 64 Prinzen und 25 Prinzessinnen in Hilders!

Insgesamt gesehen kann die Hilderser Fastnachtsgesellschaft e.V. im Jahre 2015 – in dem der Ort Hilders seine 1100-Jahrfeier begeht – auf folgende Vereinsgeschichte „Im Wandel der Zeit“ zurückblicken:

- 30 Jahre Bestehen der Hilderser Fastnachtsgesellschaft e.V.

- 65 Jahre Bestehen der Satzung der Karneval-Gesellschaft Hilders von 1950, denn die   
  damals festgelegten Zwecke und Ziele weichen im Wesentlichen nicht von den 

  heutigen ab.

- 165 Jahre Hilderser Fastnacht seit Bestehen der „Närrischen Gesellschaft“.

Da kann man da wohl nur sagen: „Ein stolzes Alter!“

Die HFG hofft und wünscht sich, dass in Zukunft auch weiterhin viele Hilderser Bürgerinnen und Bürger großes Interesse an der Fastnacht zeigen, so dass mit deren Hilfe, Engagement und tatkräftigen Unterstützung die Tradition dieses Vereins fortgeführt werden kann. 

(Stand: Januar 2014  -  HFG-Mitgliederzahl: ca. 350)